Bürgerbegehren und Bürgerentscheid Lachwald Stutensee
Bürgerinitiative für den Erhalt der Natur in Wäldern, Landschaftsschutzgebieten und Grünzäsuren

Aktuelles

– Informationen in 2023
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Forstliche Defizite offenbaren sich –
Gemeinderat Stutensee beschließt nicht nachhaltige Waldbewirtschaftung


Forstliche Defizite offenbaren sich – Gemeinderat Stutensee beschließt nicht nachhaltige Waldbewirtschaftung ★ Homepage der Bürgerinitiative Stutensee Lachwald-erhalten für mehr Demokratie + Transparenz + Bürgerbeteiligung • auch bei Bürgerbegehren und Bürgerentscheid – Mitglied der BundesBürgerInitiative Waldschutz BBIWS zum Schutz von Wald • Natur und Klima in der Waldkrise mit der Forderung um mehr Beachtung von Umweltschutz • Naturschutz • Klimaschutz und Reform der Waldgesetze
Vor 5 Jahren wurde vom Gemeinderat festgelegt, jährlich rund 1000 Festmeter Holz in den nächsten 10 Jahren aus dem 223 Hektar umfassenden Stadtwald (ohne Hardtwald) zu entnehmen. Der Gemeinderat entschied sich am 21.11.2022 trotz unserer Anregung, die von OB Becker eingebrachte Beschlussvorlage hierzu zu stoppen, mehrheitlich für ein „Weiter so“; obwohl die Ausführungen der Forstverwaltung nicht überzeugend waren und viele Fragen offenblieben.

Der Forstbetriebsleiter verwies auf ein noch nicht schriftlich vorliegendes Ergebnis der Forstlichen Versuchs- und Forschungsanstalt (FVA) über die Zwischenprüfung des Forsteinrichtungswerkes. Demnach sei ein Vertreter der FVA im Stutenseer Stadtwald gewesen und habe die Fortführung gleicher Holzentnahmemengen wie bisher empfohlen. Weder gab es dazu einen Vermerk in den Sitzungsunterlagen, noch wurde ein nachträgliches Protokoll zur Einsicht veröffentlicht.

Andere Abteilungen der FVA erforschen zwar trotz schlechter Betriebsausstattung klimatische Veränderungen, dennoch erfolgen o. a. Prüfungen zur Holzernte aufgrund rein forstwissenschaftlicher Erkenntnisse. Die Einbeziehung klimatischer Veränderungen ist sogar speziell ausgenommen und wird in den Untersuchungen zu Holzentnahmemengen nicht berücksichtigt.
Das Waldgesetz fordert eine nachhaltige Bewirtschaftung. Unter Nachhaltigkeit verstand man früher ein forstwirtschaftliches Prinzip, nach dem nicht mehr Holz gefällt werden darf, als jeweils nachwachsen kann. Heutzutage spielen sowohl der Erholungswert sowie die wirtschaftliche Holzernte eine zusätzliche Rolle. Deshalb schließt Nachhaltigkeit aus Sicht der Waldbewirtschaftung neben der Ökologie auch die Sozialverträglichkeit und Ökonomie ein.


Drei Säulen der Nachhaltigkeit zum Thema: Forstliche Defizite offenbaren sich – Gemeinderat Stutensee beschließt nicht nachhaltige Waldbewirtschaftung ★ Homepage der Bürgerinitiative Stutensee Lachwald-erhalten für mehr Demokratie + Transparenz + Bürgerbeteiligung • auch bei Bürgerbegehren und Bürgerentscheid – Mitglied der BundesBürgerInitiative Waldschutz BBIWS zum Schutz von Wald • Natur und Klima in der Waldkrise mit der Forderung um mehr Beachtung von Umweltschutz • Naturschutz • Klimaschutz und Reform der Waldgesetze


Vor Jahren hielten sich in Stutensee Einnahmen aus Holzernte und Ausgaben für Pflegemaßnahmen die Waage. Die Bäume wuchsen bis zur Reife, wurden gefällt und verkauft. Der Verkaufserlös des gesunden Holzes ermöglichte neue Investitionen.
Der in den letzten Jahren spürbare Klimawandel führte zu Veränderungen. Bäume vertrockneten, Schadholz nahm immer mehr zu. Das geerntete Schadholz ist aber wesentlich weniger wert, als gesundes Holz. Damit fällt der Verkaufserlös der Gesamternte niedriger aus. Je höher also der Anteil des Schadholzes ist, desto geringer sind die Verkaufserlöse. Im Gegensatz hierzu steigen inflationär bedingt, die Ausgaben für Nachpflanzungen und Pflege der Kulturen.

In Stutensee beträgt der Anteil von Schadholz nach Schätzungen des Forstamtes für 2023 rund 80 Prozent. Damit ist es für den Forstbetrieb unmöglich, die Gesamtkosten der Waldbewirtschaftung zu decken. Die Investitionen für Pflanzung und Kulturpflege sind höher als die Einnahmen, folglich ist der Dreiklang der Nachhaltigkeit in Frage gestellt. Stadt und Forst sind nicht mehr in der Lage, den Betrieb wirtschaftlich aufrecht zu erhalten. Ist auch logisch, denn dauerhaft geringe Einnahmen bei gleichzeitig hohen Ausgaben führen zur Pleite. Diese Pleite wird durch den Einsatz städtischer Gelder abgewendet. Das jährlich steigende Defizit des Forstamts wird auch aus Gemeindegebühren und Gemeindesteuern stammenden städtischen Geldern beglichen. Also wird das Forstamt des Landratsamtes mit Geldern bezahlt, die teilweise bei der Bürgerschaft aus Stutensee erhoben werden. Wie lange noch, das haben wir alle Stadträtinnen und Stadträte gefragt. Antworten konnten bisher nur von den Grünen gefunden werden.

Anstatt neue Vorschläge auszuarbeiten und darzulegen, folgten Stadt und Forst der jahrzehntelangen, gleichen Praxis. Ohne Berücksichtigung, dass der erkrankte Wald die früheren Einnahmen überhaupt nicht mehr leisten kann. Damit wird deutlich, dass bei Stadt- und Forstverwaltung weder ökologisches noch ökonomisches Wissen ausreichend vorhanden sind. Der Betriebsplan des Forstamts prognostiziert im Haushaltsplan 2023 Einnahmen in Höhe von 36.000 und Ausgaben von 111.400, was ein Defizit von 75.400 Euro ergibt.
Die Vorgaben aus dem Waldgesetz werden somit nicht mehr eingehalten. Wie lange soll das so weitergehen? Von der in Sachen Stadtwald bisher kompromisslos handelnden Oberbürgermeisterin (Ablehnung der Bürgerbeteiligung an der „Waldnaturschutzkonzeption“ mit der Begründung, man müsse handlungsfähig bleiben / Verweigerung der aktiven Teilnahme unserer BI bei der Zukunftswerkstadt für den Stadtwald Stutensee) wird jetzt gegenüber dem dienstleistenden Forstamt Backbone erwartet, damit Lösungsansätze vorgelegt werden. Denn dem Leitsatz aus § 1 des Landeswaldgesetzes BW zur nachhaltigen Waldbewirtschaftung ist Folge zu leisten.


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Pleiten, Pech und (Wald-) Pannen

120.000 Euro für Waldverlegung belasten Haushaltskasse von Stutensee zusätzlich


Pleiten, Pech und (Wald-) Pannen – 120.000 Euro für Waldverlegung belasten Haushaltskasse von Stutensee zusätzlich ★ Homepage der Bürgerinitiative Stutensee Lachwald-erhalten für mehr Demokratie + Transparenz + Bürgerbeteiligung • auch bei Bürgerbegehren und Bürgerentscheid – Mitglied der BundesBürgerInitiative Waldschutz BBIWS zum Schutz von Wald • Natur und Klima in der Waldkrise mit der Forderung um mehr Beachtung von Umweltschutz • Naturschutz • Klimaschutz und Reform der Waldgesetze

Ende 2014 erfolgte der erste Spatenstich im damals neuen Gewerbegebiet „Süd III“ in Blankenloch. Das ca. 7 Hektar große Gewerbegebiet war zuvor Teil des Hardtwaldes, weshalb eine Rodung von etwa fünf Hektar Wald vorgenommen wurde.

Als Ausgleichsmaßnahmen mussten das Ausgleichsbiotop „Gewerbegebiet Süd III Blankenloch“ und Ersatzaufforstungen beim Wasserwerk in Friedrichstal veranlasst werden.


Das Biotop wird im Auftrag der Stabsstelle Umwelt der Stadt Stutensee von einer privaten Firma betreut, die Waldaufforstung durch Forst-BW.

In der Anlage des Biotops sind z. B. Zauneidechsen angesiedelt. Deren Pflege erfordert eine fachgerechte Entfernung von Gehölzbewuchs und Neophyten, wie z. B. die kanadische Goldrute. Bemerkenswert ist, dass im Gegensatz dazu im Stadtwald die beauftragten Förster – selbst im Natura-2000-Gebiet – es nicht für notwendig erachten, kanadische Goldruten (s. nachfolgende Fotos) zu entfernen, obwohl sie Neuanpflanzungen überwuchern.



Die Verpflichtung einer Ersatzaufforstung ergibt sich aus dem Waldgesetz. Kosten der Ersatzaufforstung von Forst-BW wurden aus Verkaufserlösen der gewonnen Gewerbegrundstücke beglichen. Weitere Pflegekosten zum Erhalt der Aufforstung muss die Stadt 25 Jahre lang entrichten. Für das Haushaltsjahr 2022 hatte Stutensee jedoch keine Folgekosten eingeplant und somit keine finanziellen Mittel bereitgestellt. Jedoch gab es inzwischen massive Ausfälle. Wegen fehlender Haushaltseinplanung wurde deshalb im Nachhinein ein Gemeinderatsbeschluss über eine außerplanmäßige Ausgabe nach § 84 GemO BW erforderlich.

Google-Vergleich:

k-Gewerbegebiet Süd III
k-Vor der Aufforstung
k-Nach der Aufforstung


Diese Mehrkosten für 2022 beliefen sich auf ca. 120.000 Euro. Laut Baubürgermeisterin Schönhaar seien die Bäume am neuen Standort nicht gut angewachsen. Eine zweite Pflanzung wurde erforderlich, weil angeblich falsche Baumarten gewählt und die Erstpflanzung nicht ausreichend gepflegt worden sei. Belege hierfür wurden der Beschlussvorlage nicht hinzugefügt. Wir wissen deshalb nicht, wer diese Beurteilung vorgenommen hat, konnten jedoch ähnlich gelagerte Missstände in weiteren Wäldern auf Stutenseer Gemarkung feststellen. Hier Bilder der Ersatz-Aufforstung beim Wasserwerk in Friedrichstal:

 


120.000 Euro für falsche Bäume und mangelnde Pflege sind fatal. Einen größeren Vertrauensverlust in die Arbeit des Forstes kann es wohl kaum geben. Aber auch die Arbeit des damaligen Gemeinderats ist zu kritisieren. Die Gier zum Kreieren neuer Gelder zu Lasten der Natur ist unfassbar. Derartige Entscheidungen zeigen, dass weder vorausschauend entschieden, noch an Folgekosten gedacht wurde. Ebenso zeigt das Beispiel, dass eine Ersatzaufforstung niemals ein bestehendes Waldstück mit all seiner jahrzehntelang entwickelten Biodiversität ersetzen kann. Das abgeholzte Waldstück war früher eine Einheit mit dem Hardtwald, jetzt wurde ein Flickenteppich ohne direkte Verbindung zum Hardtwald geschaffen.

Auch beim Lachwaldvorhaben wäre nicht nur der Wald, sondern auch das Geld nach 3 Jahren weg gewesen. Gut, dass eine geschlossene Bürgerschaft diesen Irrweg korrigiert hat!


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