Bürgerbegehren und Bürgerentscheid Lachwald Stutensee
Bürgerinitiative für den Erhalt der Natur in Wäldern, Landschaftsschutzgebieten und Grünzäsuren
Aktuelles Informationen in 2022

========================


25. April 2022

Der Tag des Baumes – und überall sind Bäume in Gefahr


Nie war der Wald so schutzbedürftig wie momentan. Trockenheit, Waldbrände und vor allem der Borkenkäfer sowie undurchsichtige forstliche Maßnahmen sind immer größer werdende Gefahren. Der Festtag soll aufzeigen, welche Bedeutung Bäume für Mensch und Umwelt haben.

Unsere Wälder sind gefährdet wie nie, teilt uns Forstexperte Volker Ziesling in einem aktuellen Videobeitrag von RON TV (Rheinpfalz – Odenwald – Neckar) zum Tag des Baumes mit:


Auch in Stutensee wurden in der Saison 2021/2022 alte Laubbäume gefällt – im Gebiet des feuchten Eichen-Hainbuchenwaldes im Schonwald Lochenwald. Das Übel dabei war, dass die dicken Bäume seit Jahrzenten mit Efeu bewachsen waren, dessen dichtes Blattwerk im Winter vor Frost und im Sommer den Stamm vor direkter Sonneneinstrahlung schützt. Außerdem bieten die Efeublätter im Frühjahr Brutmöglichkeiten für Vögel sowie Unterschlupf für Insekten, im Herbst kommt den Efeublüten als Nahrungsquelle für Insekten eine besondere Bedeutung zu, weil in dieser Zeit die meisten anderen Pflanzen bereits verblüht sind.

Wir wollten von der Stadtverwaltung wissen, ob das Forstamt zum Fällen des alten Baumbestandes im Natura-2000-Gebiet autorisiert war. Für die Auskunft haben Stadt und Forst knapp vier Monate im Slow-Motion-Tempo benötigt:
Unser Freiheitsinformationsantrag über die Internetplattform „FragDenStaat“ Ende des Jahres 2021 wurde von der Stadt nicht wie gesetzlich vorgeschrieben unverzüglich und nicht innerhalb eines Monats nach Antragstellung (späteste Frist) beantwortet. Auch wurden wir über eine Fristverlängerung und die Gründe hierfür nicht informiert. Nach unserer schriftlichen Erinnerung erhielten wir Anfang Februar die Mitteilung, dass der Einschlag gemäß der Forsteinrichtungsplanung erfolgte, welche im betroffenen Bestand die Entnahme abgängiger Esche vorsieht. Entsprechende Unterlagen waren nicht beigefügt, die wir daraufhin nachforderten. Mitte April erhielten wir endlich einen entsprechenden Auszug aus der nicht öffentlich zur Verfügung stehenden Forsteinrichtung.

Das zur Verfügung gestellte Dokument zeigt, dass das Forstamt vom Gemeinderat 2017 dazu autorisiert wurde, im älteren Teil der 2. Abteilung des Lochenwalds, abgängige Eschen zu ernten. Das Forstamt nennt als Grund das Eschentriebsterben. Ursächlich ist ein eingeführter Pilz. Dennoch kann durch Fällungen eine Infektion nicht verhindert werden.

Nachfolgend die Erklärung von Peter Wohlleben – Deutschlands bekanntestem Förster – über das Eschentriebsterben:


Gleichzeitig ist im Dokument der Stadt eine Erhöhung des Strukturreichtums durch Totholzanreicherung in der Planung vorgesehen. Es wurde aber die Fällung des alten Baumbestandes bevorzugt, dessen Hartholz vor Ort als Kleinholz bzw. Brennholz verarbeitet worden ist.


Alter Baumbestand, eingeschlagen für Kleinholz bzw. Brennholz im Stadtwald Stutensee, in den Distrikten Lochenwald und Hinterau

Viel sinnvoller wäre der Erhalt der mit Efeu bewachsenen Altbestände gewesen und die Bäume bis zum natürlichen Absterben als Totholz stehen zu lassen. Die meisten Bäume befanden sich abseits von Wegen und stellten überhaupt keine Gefahr für Waldbesucher dar.
Stadt und Forst ignorieren das Urteil des OVG Bautzen zur Verpflichtung einer Verträglichkeitsprüfung vor den Forstmaßnahmen und wären gut beraten, vorschauend integrierte Waldbewirtschaftungspläne in Abkehr von den rein forstlichen Planungen zu erstellen. (Quelle Schumacher, s. nachfolgende PDF-Datei.)


Oberbürgermeisterin Becker verkündigte in der Auftaktveranstaltung zur Zukunftswerkstatt Stadtwald Stutensee, dass sie den Wald nicht mehr als Einnahmequelle für den Haushalt sieht. (S. nachfolgenden Beitrag v. 29. März 2022). Wenn sie es ehrlich meint, wäre eine sofortige Außerkraftsetzung von derartigen Beschlüssen aus der Vergangenheit oder eine entsprechende Weisung an den Dienstleister dringend geboten.


========================

29. März 2022

Zukunftswerkstatt Stadtwald Stutensee – Auftaktveranstaltung in der Festhalle


Vorab: Leider wurde unsere Waldbürgerinitiative nicht aktiv beteiligt. Deshalb hatten wir Oberbürgermeisterin Becker im Eingangsbereich vor der Festhalle um Aufklärung gebeten. Sie erläuterte, dass diese Veranstaltung erst eine Auftaktveranstaltung sei und weitere Bürgerbeteiligungen folgen werden. So wurden wir auf nachfolgende Veranstaltungen vertröstet.
Info-Bild: In der Wintersaison 21/22 wurde alter, dicker Baumbestand im Lochenwald gefällt.


Hintergrund: Bisher hat sich die Gemeinde an der im Jahr 2017 beschlossenen Forsteinrichtung orientiert. Also zu einer Absichtserklärung zur Waldbewirtschaftung, die vor den vergangenen Trockenjahren erstellt worden war und nicht mehr zeitgemäß ist. Unsere ständige Kritik darüber hat sicherlich dazu beigetragen, dass Frau Becker das Thema jetzt endlich aufgegriffen hat.

Die Veranstaltung war gut besucht. OB Becker stellte in ihrer Begrüßungsrede fest, dass sie schon lange nicht mehr so viele Menschen in der Festhalle gesehen hat.
Danach folgte der Impulsvortrag von Johannes Enssle vom NABU, welcher im Großen und Ganzen die Auffassung einer schonenden Waldbehandlung vertrat. Enssle meinte, „wer den Wald schützen will, muss das Klima schützen“ und forderte Stutensee auf, bis 2030 klimaneutral zu werden. Die Stadt will sich aber mehr Zeit nehmen. Für den Wald forderte er u. a., alte Baumbestände stehen zu lassen sowie der Biodiversitätsstrategie des Bundes zu folgen und 10 Prozent der Waldfläche sich selbst zu überlassen.
Im Anschluss daran knüpfte der Vortrag von Jürgen Bauhus an, Professor für Waldbau der Uni Freiburg. Auch er verwies auf den Klimawandel und sinkende Grundwasserpegel. Störfaktoren, die nicht außer Acht gelassen werden dürfen und man sich deshalb „bei der Bewirtschaftung vorantasten müsse“.

An der anschließenden Podiumsdiskussion nahmen die beiden Redner sowie OB Becker und Forstamtsleiter Moosmayer teil. Die Aussage von Herrn Moosmayer, Stutensee habe einen
 „Naturschutz-Vorzeigewald“,
hat uns allerdings sehr irritiert:


Herr Moosmayer ist Dienstleister einer Vielzahl von Gemeinden im Landkreis Karlsruhe. Wie mag es wohl dort aussehen, wenn mehrere Kahlschläge im Schonwald Lochenwald, waldbodenschädigende Befahrungen mit Harvestern in der Büchiger Hardt, das Fällen von Biotopbäumen im Lachwald und zuletzt Einschläge in alten Baumbeständen als „Naturschutz-Vorzeigewald“ bezeichnet werden? Ebenso hätte es andere Möglichkeiten zum Schutz der Aufforstungen, als das im Wald eingebrachte Plastik gegeben. Dreister geht´s wohl nimmer…

Fazit: Positiv zu bewerten ist, dass die Oberbürgermeisterin das Thema Waldbehandlung aufgegriffen hat. Sie sieht den Wald nicht mehr als Einnahmequelle für den Haushalt, sondern will zukünftig einen Erholungswald mit entsprechenden Schutzkonzepten. Im Sommer soll ein Leitbild erstellt werden. Damit folgt sie dem Vorschlag unseres Beraters, Leitender Forstdirektor Volker Ziesling, der erstmals bei einem gemeinsamen Treffen im Lachwald im vergangenen Jahr die Erstellung eines Leitbildes für den Stadtwald Stutensee für notwendig und erforderlich hielt. Sein Angebot zur aktiven Mitarbeit gilt immer noch!

Hier noch der  ★ Link ★  zum Bericht auf meinstutensee.de



========================

März 2022

Zukunftswerkstatt Stadtwald Stutensee – letztendlich entscheidet der Gemeinderat

 und ist verantwortlich, wie aktuell in Nußloch festgestellt.

 

Lachwald-Info Zukunfts-Zukunftswerkstatt Stadtwald Stutensee – letztendlich entscheidet der Gemeinderat und ist verantwortlich, wie aktuell in Nußloch festgestellt
Seit Jahren fordern wir die Zulassung diverser Forstmeinungen, weshalb zu begrüßen ist, dass erstmals in Stutensee eine andere Forstmeinung (NABU) als die bisherige klassische und konservative Auffassung des dienstleistenden Forstamts kommuniziert werden soll. Es ist höchste Zeit, dem klimabedingten Waldsterben entgegenzuwirken. Ein „Weiter so“, wie es auch in unseren Nachbargemeinden teilweise praktiziert wird, geht gar nicht!

Höchst bedauerlich ist, dass wir als die einzige örtliche Waldbürgerinitiative von der Stadt nicht in die Planung eingebunden wurden. Mehrfach zuvor hatten wir bereits unsere kostenlose Mitarbeit angeboten.
Wir streben einen schonenderen Umgang mit dem Stadtwald an: 
Ohne den Einsatz von bodenschädigenden Harvestern, ohne das Entfernen von Biotopbäumen, ohne Fällungen alter Baumbestände, ohne Befahrungen des Waldbodens, aber wir sind im Sinne und Rahmen der Biodiversitätsstrategie der Bundesregierung für ein dauerhaftes Ende der Holzeinschläge im bereits überbewirtschafteten Lachwald sowie in der stark erkrankten Büchiger Hardt (zusammen ca. 15 Hektar). Hinzugekommen ist die Überlegung einer Einrichtung eines Bannwaldes von ca. 18 Hektar in Autobahnnähe im Stafforter Stadtwald, zur Erschwerung der Planungsmöglichkeiten der Bahnstrecke und zur Verhinderung der Teilung von Stutensee. Auch haben eine Vielzahl von Initiativen und Maßnahmen unsererseits sicherlich zur Entscheidung der Durchführung der jetzt angekündigten Veranstaltung beigetragen.
Die Kenntnisnahme des Termins haben wir zum Anlass genommen, bei der Stadt eine aktive Beteiligung unserer Waldbürgerinitiative einzufordern. Wir haben Frau Oberbürgermeisterin Becker gebeten, uns aktiv an der Zukunftswerkstatt zu beteiligen und schlugen vor, unseren Berater, Forstwissenschaftler und Klimaexperten Volker Ziesling als Referenten, zumindest als Podiumsteilnehmer einzubeziehen. Aber scheinbar will man uns nicht beteiligen oder sucht noch nach Lösungen. Einen Grund nannte die Stadt nicht. Der Flächenmanager – jetzt wohl auch für Waldflächen zuständig – antwortete im Auftrag von OB Becker. Anstatt auf unseren Antrag auf aktive Beteiligung einzugehen, wurden lediglich der beabsichtigte Verlauf und die Teilnehmer der Veranstaltung mitgeteilt. Das hätten wir auch auf der Homepage der Stadt nachlesen können!
Wer bestimmt eigentlich die Referenten? Nach Auskunft von Dr. Wunder, unserem Berater beim Bürgerbegehren und Vorstandssprecher von Mehr Demokratie BW, entscheidet über die Zulassung eines Referenten der Gemeinderat und nicht die Oberbürgermeisterin oder eine Stabsstelle. 
Letztendlich entscheidet auch über die Zukunft des Stadtwaldes der Gemeinderat, dessen Mitglieder hoffentlich zahlreich erscheinen werden. Quasi eine Pflichtveranstaltung für die Entscheider, die schließlich für die Zukunft des Stadtwaldes verantwortlich sind. Ein jährlicher Beschluss ist sogar gesetzlich vorgeschrieben.
Das nachfolgende aktuelle Video eines Waldspaziergangs in Nußloch zeigt beispielhaft, wie auch dort die Forstmaßnahmen von Bürgerinnen und Bürgern kritisiert wurden und die Forstbediensteten schließlich auf die Legitimation durch den Gemeinderat verwiesen haben.

YouTube Video: Waldspaziergang Nußloch am 12.3.2022



Die Antwort auf unsere E-Mail aus dem Rathaus wirft Rätsel auf. Die Veranstaltung beginnt mit dem Vortrag von Herrn Enssle, dem Vorsitzenden des NABU BW. Der 2. Vortrag erfolgt durch Herrn Bauhus, Leiter der Professur Waldbau an der Uni Freiburg.

Danach schließt sich die Podiumsdiskussion zu dem Thema „Nachhaltigkeitsziele für den Stadtwald Stutensee“ an. Hieran nehmen Frau Oberbürgermeisterin Petra Becker, die beiden Referenten sowie zusätzlich Herr Forstdirektor Martin Moosmayer vom Forstamt des Landratsamts Karlsruhe teil.
Durch die Teilnahme der Herren Bauhus und Moosmayer an der Podiumsdiskussion wird die bisher angewandte klassische Forstmeinung überproportional vertreten sein. Außerdem verliert die Veranstaltung ihre Neutralität, weil der Forstamtsleiter als eigener Dienstleister in die Podiumsdiskussion zur Rechtfertigung seiner Maßnahmen und Vorhaben integriert wird. Deshalb wäre es nur fair, zum Ausgleich Dipl. Forstwirt Volker Ziesling als Fachvertreter unserer Waldbürgerinitiative einzubinden. Nur so könnten sich die anwesenden Bürgerinnen und Bürger, aber auch die Mitglieder des Gemeinderats, eine umfassende Meinung bilden und die Neutralität seitens der Stadt wäre gewährleistet. Ansonsten würde nach unserer Einschätzung eine einseitig gesteuerte Veranstaltung mit manipuliertem Ausgang durchgeführt, weshalb wir wegen der ausgleichenden Gerechtigkeit nochmals eine aktive Beteiligung reklamierten. Eine Antwort steht derzeit noch aus.

 

========================


UPDATE zum nachfolgendem Artikel:  

Die von Oberbürgermeisterin Becker bisher mehrfach versprochene und immer wieder hinausgeschobene Veranstaltung zur Waldbehandlung findet am Dienstag, 29. März 2022, um 18.00 Uhr in der Festhalle Blankenloch statt.  ★ Details auf meinstutensee.de ★ 


Januar 2022

Waldbehandlung in Stutensee – Transparenz über "FragDenStaat" gefordert

 

Waldbehandlung in Stutensee – Transparenz über

Seit nunmehr 3 Jahren fordert die Bürgerinitiative „Lachwald-erhalten“ aufgrund von Klimawandel und Artensterben, aber auch nach massiven Holzeinschlägen, einen schonenderen Umgang mit dem Stadtwald Stutensee, hin zu einer naturnahen Waldbehandlung ohne den Einsatz bodenschädigender Erntemaschinen.  Deswegen haben wir Oberbürgermeisterin Becker, sowie den Gemeinderat und das Forstamt sowohl mündlich als auch mit zahlreichen Anschreiben kontaktiert.


In ihrer Haushaltsrede für 2022 berichtet Oberbürgermeisterin Becker folgendes über den Stadtwald:

…Vor kurzem konnte sich der Gemeinderat bei einer Waldexkursion mit dem Vertreter des Forstamtes und unserer neuen Revierleiterin selbst einen Eindruck vom Zustand des Waldes in Stutensee machen. Auch für interessierte Bürgerinnen und Bürger wurde und wird ein Waldbegang angeboten. Grundsätzlich kann festgestellt werden, dass die meisten Baumbestände vital sind…

Weiterhin verspricht Frau Becker, dass sie sich „mit der Bürgerschaft über verschiedene Waldwirtschaftsarten austauschen will, bevor sich der Gemeinderat damit beschäftigt“.

Vital?

Das ist fraglich und wohl die Einschätzung des eigenen Dienstleisters. Andere Forstmeinungen wurden bisher von der Stadt nicht zugelassen. Wir sind bundesweit vernetzt und werden von erfahrenen Förstern unterstützt und beraten. Z. B.:

 

Dr. Lutz Fähser, Forstdirektor a.D. und Gründer des Lübecker Waldmodells:

Die Betriebsdaten des Forstes zeigen, dass er sich in einem Notbetrieb befindet. Die Holzeinschläge sind nicht planmäßig, sondern Katastrophenhiebe. Ein Beleg dafür, dass das bisherige Konzept bzw. die Maßnahmen falsch waren. Leider besteht diese Einsicht nicht (Gesichtsverlust), sondern es wird mit noch mehr Intensität und Geld, und damit Schaden, die falsche Konzeption noch intensiver fortgesetzt.


Volker Ziesling, Forstwissenschaftler und Klimaexperte:

Schlägt für den Stadtwald Stutensee die Erstellung eines Leitbildes vor, wo Details für die Zukunft festgeschrieben werden. Sein Angebot zur Mitarbeit offerierte er an OB Becker, den Forstbetriebsleiter und die Försterin.

 

Die Büchiger Hardt

Sie ist nicht voller Lebenskraft, sondern ganz im Gegenteil, viele Bäume sind krank. Selbst für Laien ist erkennbar, dass sich der kleine, lichte Wald, in einem schlechten Zustand befindet. Vermutlich gibt es im ganzen Landkreis keinen Wald in einem noch schlechteren Zustand. Viele kranke Bäume wurden bereits wegen der Rußrindenkrankheit entfernt, ein Teil leidet immer noch daran. Das Forstamt hat vor Ort eine Hinweistafel aufgestellt, wo man sich über die Krankheit informieren kann. Aufgrund von zwangsläufigen Auflichtungen sind die verbliebenen Bäume so sehr durch Sturmwurf gefährdet, dass kein starker Sturm erforderlich ist, um sie in Schräglage zu versetzen. Dies ist gut sichtbar, weil sich der Forst bisher nicht um die halb umgekippten Bäume kümmert.

Auch ist eine nicht unerhebliche Ausfallquote der Neuanpflanzungen festzustellen und war bereits Thema im Gemeinderat, u. a. hinsichtlich der damit verschwendeten Steuergelder.

Die eingesetzten Plastikrohre sind nicht nur hässlich, sondern insbesondere umweltschädlich.



Der Lochenwald

Offensichtlich ist das Forstamt nicht bemüht, auf das Plastik zu verzichten bzw. dieses beizeiten zu entfernen. Ein Grund dürfte sein, weil die Kosten für die Plastikwuchshülsen zu Hundertprozent gefördert werden. Im Stafforter Lochenwald stehen nach mehreren Kahlschlägen hunderte Röhren in Reih und Glied. Sie sollen den Bäumen beim Wachstum helfen und vor Wildverbiss schützen. Werden diese jedoch nicht beizeiten entsorgt, zerfallen sie und das Microplastik reichert sich im Waldboden an. Gut für die Natur ist das nicht. Diese großen Aufforstungsflächen hätten eingezäunt werden müssen, um das viele Plastik einzusparen. Laut Forstamt waren die Kahlschläge erforderlich, um die Vielzahl kranker Eschen (Eschentriebsterben) zu entfernen.

Nicht förderlich für den Schonwald sind die jüngsten Fällungen von alten Eichenbeständen mit dichtem Efeubewuchs. Efeu dient im Frühjahr für Nistplätze, im Herbst der Nektar und im Winter die Früchte als Nahrung. Wer solche Fällungen anordnet, ignoriert nicht nur die Natur, sondern betreibt trotz Klimaveränderungen eine rein konventionelle Forstwirtschaft, wodurch der Wald ausgebeutet wird.



Der Lachwald

Auch die Überbewirtschaftung des Lachwalds führte zu einigen großen Auflichtungen im Kronendach, mit daraus folgend erhöhter Sturmbruch- und Sonnenbrandgefahr; dies zeigte sich bereits in den vergangenen 2 Jahren und wird sich wohl fortsetzen – als Ergebnis einer radikalen Waldbewirtschaftung.

So wurden auch gesunde, blütenweiße Buchen geschlagen; sie nennen es Verkehrssicherung.

 



Die von OB Becker angekündigten Debatten und die Einbindung der Bevölkerung sind überfällig. Denn immer wiederkehrend wurden jährlich im Gemeinderat die Mengen des Holzeinschlags beschlossen. Aber die Nutzung des Stadtwalds beinhaltet weit mehr als den reinen Holzeinschlag. Er liegt zu ca. 95 Prozent im Natura-2000-Gebiet, weshalb Erholung, Biodiversität, Arterhaltung und Gewässerschutz im Vordergrund stehen sollten, was aufgrund vorhandener Vorschriften von der Stadt berücksichtigt werden müsste.

Des Weiteren wurde in der Haushaltsrede mitgeteilt, dass sich der Gemeinderat bei einer vom Forstamt geführten Waldexkursion ein eigenes Bild verschaffen konnte. Unverständlich ist, dass es für die Bürgerschaft separate Veranstaltungen gibt. Eine gemeinsame Veranstaltung wäre sinnvoller, denn es ist nicht der Wald der Stadt, sondern der Bürgerinnen und Bürger. Auch sollte nicht verheimlicht werden, aufgrund welcher Informationen dann Entscheidungen im Gemeinderat getroffen werden.



Bereits in der Haushaltsrede ein Jahr zuvor versprach Frau Becker eine Bürgerbeteiligung zum Thema Wald – und nichts geschah. Die bisherige Geheimniskrämerei zu öffentlichen Themen missfällt nicht nur uns. Da über das Informationsfreiheitsgesetz das Recht auf Auskunft besteht, haben wir den folgenden Fragenkatalog über die Internetplattform FragDenStaat an die Stadt Stutensee übermittelt:

Link:   https://fragdenstaat.de/anfrage/waldbehandlung/ 

1. Wie genau verlaufen die eigentumsrechtlichen Grenzen der in Ihrem Zuständigkeitsbereich befindlichen Wälder?

2. Welche Einschläge sind in den in Ihrem Zuständigkeitsbereich befindlichen Wäldern in 2022/2023 konkret wann und konkret in welchem Umfang geplant? Ich bitte um Aufschlüsselung für die einzelnen Wälder und die jeweiligen dortigen Bestände.

3. Auf welcher Grundlage und mit welcher Begründung sollen die Einschläge jeweils erfolgen? Sofern entsprechende Pläne o.ä. oder Genehmigungen, Befreiungen oder Ausnahmen von gesetzlichen Bestimmungen existieren, bitte ich um Übersendung der einschlägigen Dokumente.

4. Sind in den beabsichtigen Einschlagsgebieten in 2020/2021 Daten über das Inventar und den Zustand erhoben worden? Falls ja, bitte ich um Übersendung der einschlägigen Dokumente.

5. Sind die beabsichtigten Einschläge mit den jeweils naturschutzfachlich zuständigen Stellen abgesprochen? Falls ja, bitte ich um Übersendung der einschlägigen Dokumente.

6. Existiert mit Blick auf die in den vergangenen drei Jahren erfolgten Einschläge ein Monitoring der Auswirkungen der Maßnahmen auf das Ökosystem? Falls ja, bitte ich um Übersendung der einschlägigen Dokumente.



weiter zu 2021 >